Die Westbefestigungen in Baden-Württemberg stehen seit August 2005 unter Denkmalschutz

70 Jahre nach dem Baubeginn der Westbefestigungen und 60 Jahre nach dem Ende des II. Weltkriegs ist ein weißer Fleck von der Denkmalschutzkarte der Westbefestigungen verschwunden. Mit Baden-Württemberg hat das letzte Bundesland erkannt, daß die West-befestigungen als letzte große Befestigungslinie in Deutschland ein schützenswertes Denkmal darstellen. Daß die Westbefestigungen in ihrer gesamten Länge und Ausdehnung in diesem Bundesland unter Schutz gestellt wurden, ist der langen und harnäckigen Arbeit vieler Festungs- und Heimatforscher, von Naturschützern und Künstlern sowie vielen anderen Personen zu verdanken.

Immerhin war der erste belegbare Kontakt zum Landesdenkmalamt im Jahr 1991. Eine bescheidene Anfrage, einen erhaltenen Bunker unter Schutz zu stellen, wurde abschlägig beschieden. Die Anlage sei aufgrund der zahlreichen bereits beseitigten Bunker aus dem Gesamtzusammenhang gerissen. Doch gerade die Beseitigungen führten schließlich dazu, daß ab 2000 verstärkt beim Landesdenkmalamt – dieses Mal direkt beim Präsidium – nachgefragt wurde. Aber erst mit der Beseitigungskampagne 2003 wurde der Durchbruch erzielt, als Heimatforscher den für den Abbruchbereich zuständigen Bundestagsabgeordneten veranlaßten, in Bezug auf die Erhaltung der Westbefestigungen nachzufragen. Bei einem gemeinsamen Termin im Frühjahr 2004 konnten Festungsforscher und Heimatforscher ihre Belange noch einmal beim Präsidenten des Landesdenkmalamtes vortragen. Ein weiterer Termin im August 2004 mit den Inventarisatoren des Landesdenkmalamts im Raum Kehl brachte das Ergebnis, daß es sich bei den Westbefestigungen um ein Denkmal handeln würde – die Frage war nur noch, wie die Unterschutzstellung bewerkstelligt werden könnte. Solange für jeden einzelnen Bunker des Westwalls und jede einzelne Flugabwehrbatterie der Luftverteidigungszone West die Begründung im Einzelfall erfolgen mußte, war dies eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Einer Arbeitsgruppe des Landesdenkmalamts gelang es schließlich, die Denkmalschutzwürdigkeit der Westbefestigungen im Gesamten ausreichend zu begründen. Dieser gelungenen Begründung folgte am 29.08.2005 die entsprechende Unterschutzstellung. Damit ist die jahrelange gemeinsame Arbeit vom Erfolg gekrönt worden. Ein Ende der Arbeit mit den Westbefestigungen ist allerdings noch nicht in Sicht. Unter anderem steht eine umfangreiche Dokumentation bevor, die ebenfalls nur in gemeinsamer Anstrengung zu schaffen ist. Aufgrund der bisherigen Zusammenarbeit ist dabei von einem weiterem Erfolg auszugehen.

Bei der jahrelangen Arbeit bis zur Unterschutzstellung der Westbefestigungen in Baden-Württemberg waren u. a. beteiligt: Die Arbeitsgemeinschaft Westwalltag, das „Projekt Westwall Baden-Württemberg“, der „Historische Verein für Mittelbaden e. V.“ sowie viele weitere Festungs- und Heimatforscher, Naturschützer, Künstler, Festungsmuseen und Festungsvereine in – und außerhalb Baden-Württembergs, die die Arbeit mit Rat und Tat nachhaltig unterstützten. Ihnen sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Einen ganz besonderen Dank geht an die Mitarbeiter des ehemaligen Landesdenkmalamts und jetzigen Landesamtes für Denkmalschutz mit den Referaten 25 der Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg, die sich in eine ihnen unbekannte Materie einarbeiten mußten und die mit ihrer Arbeit der gemeinsamen Arbeit zum Erfolg verhalfen. Diese gemeinsame Arbeit soll uns allen Mut machen, weiterhin für die Belange des Westwalls einzutreten sowie seine Dokumentation fortzuführen.

Trotz allem kann von einem Beseitigungsstop nicht die Rede sein : Für die Beseitigungskampagne 2005 / 2006 war es angedacht, mindestens vier Anlagen des Westwalls am Oberrhein zu beseitigen. Doch die undokumentierte Beseitigung des Westwalls ist mit dessen Unterschutzstellung beendet. Gemäß dem Denkmalschutzgesetz und der Landesbauordnung von Baden-Württemberg muß vor dem Abbruch eines Denkmals eine entsprechende Genehmigung beantragt werden.

Sofern Sie bei sich zuhause Kenntnis von geplanten Abbrüchen von Anlagen der Westbefestigungen erhalten, bitten wir Sie daher um Rückmeldung unter:

 friedrich.wein@lvzwest-bw.de.

Beseitigungszahlen

  • Für den Westwall in den Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg sind die Zahlen für den Zeitraum 1999 – Anfang 2004 nahezu komplett.
  • Für die Luftverteidigungszone West wird teilweise auf Beseitigungen eingegangen, die bereits länger wie 1999 zurückliegen. Die Auflistung der beseitigten Anlagen und Bauwerke ist nicht vollständig.

Bei einer Gesamtzahl von ungefähr 3.500 Westwallbauten (ohne LVZ West) am Oberrhein zeigen die genannten Zahlen deutlich, dass der noch vorhandene Rest des Westwalls stark gefährdet ist. Die Gefährdung wird noch deutlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass der Westwall in Baden-Württemberg bereits zu über 65 %, die Rheinuferlinie (Hauptkampflinie) zu über 99 % und im Abschnitt nördlich Karlsruhe der Westwall und die LVZ West zu über 80 % beseitigt wurden sowie die Hauptbeseitigungswelle im Bereich nördlich Karlsruhe in den Jahren 1980 – 1995 war. Bei einer Fortführung der Beseitigungsarbeiten ist damit zu rechnen, dass der Westwall und die Luftverteidigungszone West in Baden-Württemberg als Zeugnisse der letzten in Deutschland errichteten Befestigungsanlage in den nächsten Jahren undokumentiert verschwinden werden. Die Entwicklungsgeschichte der Befestigungen in Deutschland und in Europa wäre damit um einen wichtigen Baustein beraubt.

Im Regierungsbezirk Karlsruhe wurden zwischen 1999 und Anfang 2004 insgesamt 38 Bauwerke beseitigt, davon 2001 6 Stück bei Rastatt, denen 3 Stück 2004 folgten.

Im Regierungsbezirk Freiburg wurden im Rahmen der Beseitigungskampagne 1990 / 91 im Auwald in der Nähe der Ortschaften Wyhl und Weisweil 18 Anlagen des Westwalls beseitigt. Darunter befand sich u.a. eine seltene Vorgängerbauform des Regelbaus C - 8 (Unterstellraum für Panzerabwehrkanone mit angehängtem Kampfraum, Pionierbaupro-gramm). Zwischen 1999 und Anfang 2004 wurden weitere 31 Bauwerke beseitigt, davon  Anfang 2003 6 Stück bei Honau nördlich Kehl. Gerade diese 6 Bunker waren letztendlich der Auslöser, erneut einen Vorstoß beim Landesdenkmalamt zur Unterschutzstellung des Westwalls in Baden-Württermberg zu unternehmen.

Beseitigungen in der Luftverteidigungszone West (nur Auswahl)

  • Die LVZ – Stellung Rheinsheim wurde in den 80er / 90er Jahren beseitigt.
  • Die LVZ – Sperranlage Oberndorf  bei Kuppenheim wurde 2001 beseitigt.
  • In der LVZ – Stellung Hornisgrinde wurden Ende 2004 6 Bauwerke geschleift.
  • In der LVZ – Stellungen Flözlingen wurden im Jahr 2000 einige Bauwerke überderdet.

Umbauten von Beständelagern der Luftverteidigungszone West (nur Auswahl)

  • LVZ – Beständelager Dürrenmettstetten :  Umbau zur Festhalle
  • LVZ – Beständelager Hochmössingen :  Umbau zum Gewerbebetrieb
  • LVZ – Beständelager Zimmern ob Rottweil : Beseitigt 2002 / 2003
  • LVZ – Beständelager Deißlingen:  Abbruch zugunsten eines Supermarktes

Durch die Umbauten wurde das ursprüngliche Erscheinungsbild der Beständelager stark verändert, so dass von den vorgenannten Gebäuden keines mehr im ursprünglichen Zustand erhalten ist. Bei Nutzungsänderungen bzw. Betriebsverlagerungen ist damit zu rechnen, dass diese Gebäude abgebrochen werden.